(Pressebericht HNA 02. November 2005)
Lohfelden. "Jetzt kannst du einschlagen, das passt!", tönt es aus dem CB-Funkgerät. Dietloff Hansen greift ins Lenkrad. Vorsichtig bugsiert er seinen 40-Tonner zwischen den Ampeln hindurch um die Kurve. Zentimeterarbeit im Dunkeln. "Das ist nichts für Anfänger", sagt der 58-Jährige.
Es ist kurz nach 22 Uhr. Der Brummifahrer aus Gudensberg fährt mit seinem Schwertransporter riesige Kühlaggregate der Firma Alstom Power Energy von Kassel zu den IWK Hallen in Lohfelden. 20 Tonnen wiegt die sperrige Fracht, die mit 4,60 Meter Breite und 18 Meter Länge nur nachts transportiert werden kann.
Ein Polizeitwagen mit Blaulicht macht den Weg frei, ein Begleitfahrzeug mit Funkverbindung sichert den Transport nach hinten ab. Probleme erwartet der altgediente LkW Fahrer auf der kurzen Strecke nicht, aber: "Man weiß nie, was kommt."
Kurz darauf erhält er einen Hinweis per Funk: Fahr mal rechts ran, da kommt ein Rettungswagen von hinten!" Hansen steuert seine Zugmaschine auf die rechte Spur und wartet. Dann geht es weiter mit 530 PS auf die Autobahn. Mit 40 km/h zuckelt der Transporter auf zwei Spuren dahin.
Der schwierigste Abschnitt kommt erst noch: von der Autobahn runter und auf der Crumbacher Straße durch Lohfelden. Im Schritttempo geht es den Berg hoch. Am Crumbacher Kreisel stehen Schaulustige. Hier wird es eng. Der Lastzug muss sich um die Verkehrsinsel winden. Die drei Lenkachsen des Aufliegers schwenken aus. Es klappt, das eingespielte Team der Baunataler Firma Regel hat es geschafft. In den leer stehenden IWK-Hallen wird das 20-Tonnen-Bauteil schließlich an den Haken genommen und abgeladen.
Vier der großen Kühlaggregate für Singapur sind nun in den alten Industriehallen zwischengelagert. Vier weitere werden in nächtlichen Aktionen in den kommenden Wochen dazukommen. Sie werden in Lohfelden zu 24 Meter langen Bauteilen zusammengeschweißt und Ende Dezember zu einem Nordseehafen - vermutlich Antwerpen - gefahren.
Dieser Abtransport ist eine neue Herausforderung für die Mitarbeiter der beteiligten Firmen, die gestern die Örtlichkeiten unter die Lupe nahmen. Um den Crumbacher Kreisel mit einem dann noch längeren Schwertransport zu passieren, müssen die Hinterachsen vermutlich von einem zweiten Fahrer per Fernbedienung gelenkt werden. Oder man findet in Zusammenarbeit mit dem Straßenverkehrsamt eine andere Route."