(Pressebericht HNA 18. Oktober 2006)
Kassel. Als sich Udo Corts in seiner kurzen Ansprache über das schöne Wetter freute, ahnte der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst wohl kaum, dass die Enthauptung der Herkules-Statue gestern um ein Haar nicht stattgefunden hätte. Zu stark war am Morgen der Wind gewesen, zu groß die Gefahr, dass der Kupferkopf ins Schwingen geraten könnte. Nun aber ist der Kopf ab, und das soll bis Frühjahr 2008 auch so bleiben.
"Morgens um zehn hatten wir noch zwölf Meter Windgeschwindigkeit pro Sekunde gemessen", sagte Regel-Prokurist Walter Meusel. Seine Firma hatte den Kran gestellt, mit dem der grüne Kopf auf die Besucherterrasse des Oktogons gehievt wurde. Gegen Mittag gab es Entwarnung, nur noch sechs Meter pro Sekunde wurden angesagt. Unerwartet, aber hochwillkommen.
Um 13.32 Uhr war es so weit. Corts löste symbolisch die letzte Schraube, die Rumpf mit Kopf verband, und zehn Minuten später schwebte der Kopf auf die Besucherterrasse, millimetergenau auf einen vorbereiteten Ständer. Dort bleibt er natürlich nicht hängen. Im Zwischengeschoss des Bauwerks soll er für die Dauer der auf 20,5 Millionen Euro geschätzten Restaurierung aufgestellt werden und den Besuchern zugänglich sein. Dem metallenen Halbgott, bislang auf seinem Sockel immer präsent und dennoch entrückt, kann man nun eineinhalb Jahre lang direkt ins Heldenauge blicken. Die gesamte Sanierung des Oktogons soll bis 2011 dauern.
Kühl war’s, der Wind spielte kaum eine Rolle. Das Gewicht des Kopfes noch weniger. "Eigentlich war der Kopf mit 180 Kilo angegeben", sagte Meusel, "aber an der Kranwaage waren es noch nicht einmal 100." Immerhin: Mit einem Meter fünfundfünfzig ist das Kupferhaupt ganz beachtlich.
Die größten Schäden an der Figur gibt es im Inneren. Um dort hineinblicken zu können, wurde der Kopf abgenommen, die Halsöffnung während der Sanierung mit einer klappbaren Holzverkleidung verschlossen. Bernhard Krönung ist einer der drei Restauratoren, die sich der Statue annehmen werden. "Jetzt müssen wir erst die Schäden begutachten, werden die Figur in den kommenden Monaten auf Spannungsschäden, Einschüsse und Rost prüfen. Dann können wir sagen, was gemacht werden muss und wie lange es dauern wird."
''Ein Halbgott hing am Seil
(Von Ralph-Michael Krum)