(Pressebericht HNA 21. September 2006)
Kassel. Donnerstag, kurz vor zehn. Zwei Jogger traben Richtung Fulda, bleiben vor der großen Baustelle stehen. "Wenn sie ein paar Wochen warten, können Sie drüber", grinst Michael Beer entgegen. Ein paar Wochen - das wird im Dezember sein, und dann soll die Gärtnerplatzbrücke fertig sein. Gestern wurden dort die ersten Brückenträger gesetzt.
9.25 Uhr. Karl Wenderoth steigt in die Kabine des riesigen gelben Krans. 140 Tonnen wiegt der. Seine Aufgabe: die ersten beiden Träger, auf denen die neue Gärtnerplatzbrücke ruhen soll, vom LKW auf die Pfeiler zu manövrieren. Um halb zehn liegt der erste Träger korrekt.
Am Mittwochabend hatten Fahrer der Baunataler Firma Regel, zuständig für die Kranarbeiten an der Brücke, die beiden Träger in Hannover abgeholt. Dort waren sie auch hergestellt worden. Drei Meter breit, 14 Meter der eine lang, 22 Meter der andere.
"Das sind eigentlich kleine Dinger für uns", sagt Dieter Teifke von Regel. Seine Firma ist es gewohnt, wirklich große Transporte zu bewerkstelligen. "Hierfür war noch nicht einmal eine Sperrung der Autobahn nötig", sagt Teifke.
Morgens um zwei kam der Transport in Kassel an, ab halb acht wurde der Kran aufgebaut. Unmittelbar am Ufer steht er, auf Schotter, den 50 LKW angekarrt haben.
11.05 Uhr. Fahrer Dietloff Hansen steuert seinen Truck rückwärts Richtung Ufer, Michael Beer läuft nebenher und dirigiert per Handsteuerung die drei lenkbaren Hinterachsen. Millimeterarbeit. Reine Nervensache für den erfahrenen Trucker. Der Montagetrupp entert derweil den LKW, bringt die Gurte für den Kran an den 23-Tonnen-Träger an.
11.32 Uhr. Der Träger beginnt zu schweben, wird zentimeterweise angehoben.
11.42 Uhr. Mit riesigen Schraubenschlüsseln in der Hand warten die Monteure, bis sich der Träger auch die letzten Millimeter in die endgültige Position gesenkt hat.
Auch der zweite Träger liegt. Damit nimmt ein Projekt Form an, das europa-, sogar weltweit, einmalig ist. Die neue Gärtnerbrücke besteht aus einem Mix aus Stahl und dem in der Uni Kassel entwickelten ultrafesten UHPCV-Beton - die erste größere Brücke aus diesem Materialien in Europa. Die Bodenplatten werden mit einem Spezialharz verklebt, nicht mehr verschraubt. Das gab es weltweit noch nie.
Die neue Brücke wird eine High-Tech-Brücke sein. 80 Sensoren werden eventuell auftretende Schäden drahtlos an die Uni übermitteln. Risse, Schwankungen und ähnliches können so frühzeitig erkannt und behoben werden.
Am 05. Oktober sollen die anderen drei Träger, darunter das 36-Meter-Mittelstück, gesetzt, Mitte Oktober die Bodenplatten geklebt werden. Aber: "Es darf nicht kälter als acht Grad und nicht feucht oder nass sein", sagt Regel-Prokurist Walter Meusel und hofft auf einen trockenen Oktober."
''Präzision auf Knopfdruck